Hexenjagd auf Antennen

Hubert Kirrmann, Baden
 

Wir kommen in eine Zeit, wo Aberglauben das technische Wissen ersetzt. Die Debatte um die Mobilfunkantennen erinnert an Hexenprozesse: die Hexe soll ihre Unschuld beweisen, aber sie ist so oder so des Teufels und bereits verurteilt. Die Antennengegner verlangen den Beweis, dass die Antennen unschädlich sind. Gleichzeitig bezeichnen sie jede Studie, die keine Schäden nachweist, als Fälschung.


Da der normale Bürger die Auswirkungen von Radiowellen kaum einschätzen kann, geht es nur darum, wem er traut. Die vermeintlich selbstlosen Warner vor den "Strahlen" oder die geldgierige Telekomindustrie, die ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Bevölkerung Antennen aufstellt.
Da zählt die Emotion mehr als der technische Verstand.

 

Nur soviel zur Technik: die Leistung eines Mobiltelefons ist kleiner als diejenige einer Taschenlampe, die Leistung einer Mobilfunkantenne ist kleiner als diejenige einer Strassenlampe, die Sonnenstrahlung pro Quadratmeter ist tausendmal grösser – und weist noch kürzere Wellenlängen auf.
Dies ist mal unbestritten – also geht es um das Unheimliche. Andere verkaufen heilende Strahlungsgeräten.    

 

Unbestritten ist auch, dass Menschen krank werden können durch blosses Anschauen der gefürchteten Antennen, seien sie eingeschaltet oder nicht.
Nicht die Antenne macht sie krank, sondern diejenigen, die sie vor der Antenne warnen.
Die besorgten Bürger sind selbst verantwortlich für die sinkenden Immobilienpreise, die sie beklagen.
Wer hier vor Gefahr unverantwortlich warnt, ist selbst die Gefahr.
So wie die damals wohlmeinende Inquisition.

 

Unbestritten aber ist auch die reelle Gefahr, die aus Mobiltelefonen kommt. Nach Alkohol und Müdigkeit ist die Ablenkung durch Telefonate bereits die dritt-häufigste Ursache von Verkehrsunfällen. Eigentlich sollte auf jedem Telefon eine Warnung angebracht werden: „Telefonieren während des Fahrens ist gesetzlich verboten“.

 

Offenbar fürchten sich einige eher vor der vermeintlichen Gefahr, dass ein Kind wegen Mobilfunk erkrankt, als vor der reellen Gefahr, dass das gleiche Kind durch einen telefonierenden Lenker überfahren wird.


Weit sind wir vom Aberglauben der Naturvölkern nicht.

Hubert Kirrmann, Baden 

Auf diesem Bild ist die Folge eines Telefonunfalles: durch Hantieren am Telefon bemerkte die Fahrerin den Motorradfahrer zu spät, beide starben.

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